Ziel der Moderation in SPSS (Interaktion)

Eine Moderation (auch Interaktion) unterstellt den Einfluss einer zusätzlichen Variable (=Moderator) auf eine Beziehung zwischen einer unabhängigen Variable (X) und einer abhängigen Variable (Y). Dieser Artikel zeigt, wie man dies in SPSS modelliert und berechnet.

 

Voraussetzungen der Moderation (Interaktion)

Die wichtigsten Voraussetzungen sind:  

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Das Prinzip der Moderation

Eine Moderation, auch Interaktion genannt, unterstellt einen moderierenden Einfluss einer Variable (M) auf einen Zusammenhang zwischen zwei Variablen (X->Y). Als Beispielt hängt der Abiturschnitt (Y) nicht allein von der Intelligenz (X) ab. Vielmehr beeinflusst die Motivation (M) den Einsatz der Intelligenz, um einen gewissen Abiturschnitt zu erreichen. Konkret sieht das in folgender Abbildung so aus:  

Moderation Beispiel

 

Da SPSS keine Möglichkeit bietet, eine Moderation direkt zu modellieren, muss eine Umwandlung bzw. Transformation vorgenommen werden. Der Moderator (M), die unabhängige Variable (X) als auch der Interaktionseffekt (X*M) werden gleichzeitig als unabhängige Variablen aufgenommen. Dies zeigt die folgende Abbildung:

Interaktion SPSS

 

Durchführung der Moderation in SPSS

Wie in obiger Abbildung ersichtlich, ist neben X und M noch ein Interaktionsterm zu bilden, der das Produkt von X und M darstellt. Das funktioniert über „Transformieren“ -> „Variable berechnen“. Im Beispiel wird als Zielvariable „Intelligenz_Motivation“ festgelegt. Sie setzt sich aus Intelligenz (mit IQ abgekürzt) mal Motivation zusammen:  

Interaktion SPSS

 

In der Datenansicht erscheint nun eine neue Variable am Ende der Datei, die entsprechend den Namen der Zielvariable trägt und das Produkt eurer Variablen X und M darstellt.   Als nächstes führt man wie gewohnt eine multiple lineare Regression in SPSS durch. Über „Analysieren“ -> „Regression“ und zieht die Variablen X, M und X*M in das Fenster „unabhängige Variablen“ und legt Y als abhängige Variable fest. 

Interaktion Regression SPSS

Mit OK wird die Moderation in SPSS berechnet und führt zu den folgenden Ergebnistabellen.

 

Beispiel von Ergebnistabellen der Moderation in SPSS

Nach der entsprechenden Durchführung erhaltet ihr drei Tabellen.

Interaktion SPSS Output

 

Interpretation der Ergebnisse der multiplen linearen Regression in SPSS

Sofern die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind, sind drei Dinge bei der Ergebnisinterpretation bei der multiplen Regression besonders wichtig.

ANOVA-Tabelle

ANOVA bei Moderation

 

Die ANOVA sollte in der Zeile „Regression“ einen signifikanten Wert (<0,05) ausweisen – ist dies der Fall, leistet das aufgestellte Regressionsmodell einen Erklärungsbeitrag. Im Beispiel oben ist die Signifikanz 0,000 und damit <0,05. Dies bedeutet, dass alles in Ordnung ist. Ist die Signifikanz >0,05, muss an dieser Stelle die multiple lineare Regression bzw. deren Berechnung abgebrochen werden. Warum? Weil das multiple Regressionsmodell mit seinen unabhängigen Variablen schlicht die abhängige Variable nicht besser erklären kann als ohne. Meist ist dies ein Hinweis auf keine hinreichende Linearität des Zusammenhanges, sofern es eine hinrechend große Stichprobe (n>30) ist.

 

Die Modellgüte

Güte Moderation SPSS

Die Modellgüte wird anhand des korrigierten R-Quadrat (R²) abgelesen (im Beispiel: 0,891). Dies findet man in der Tabelle Modellzusammenfassung. Korrigiert ist es deswegen, weil mit einer größeren Anzahl an unabhängigen Variablen das normale R² automatisch steigt. Das korrigierte R² kontrolliert hierfür und ist deshalb stets niedriger als das normale R². Sowohl normales als auch korrigiertes R² sind zwischen 0 und 1 definiert. Nur das normale R² (hier 0,989) gibt an, wie viel Prozent der Varianz der abhängigen Variable erklärt werden. Höher ist dabei besser. Bei einem R² von 0,898 werden 89,8 % der Varianz der y-Variable erklärt.

Hinweis: Ein R² von fast 0,9 ist ein sehr hoher Wert, was bei diesem konstruierten Beispiel nicht verwunderlich ist. Ein niedrigeres R² ist nicht verwunderlich und kein Grund zur Sorge.

 

Koeffiziententabelle

Koeffiziententabelle Moderation SPSS

Die Regressionskoeffizienten sollten signifikant (p<0,05) sein. Im Beispiel ist dies nur der Intelligenzquotient. Unter „nicht standardisiert“ ist der interpretierbare Effekt dieses Koeffizienten zu sehen. Im Beispiel ist der Koeffizient vom Intelligenzquotient -0,035. Das heißt, mit jeder zusätzlichen Einheit (jeder IQ-Punkt) dieser x-Variable, ist eine Abnahme von 0,035 Einheiten der y-Variable (Abiturschnitt) verbunden. Somit wirkt sich Intelligenz gut auf die Abiturnote aus. Positive Koeffizienten würden sich entsprechend schlecht auf die Abiturnote aus. Die Motivation selbst wirkt sich aufgrund des hohen Signifikanzwertes von 0,611 nicht auf die Abiturnote aus.

Zum Vergleich zwischen signifikanten Variablen dienen die standardisierten Koeffizienten. Anhand derer sieht man, welcher den größten positiven/negativen Einfluss auf die y-Variable hat. Man betrachtet stets den Betrag (z.B. |-0,035| = 0,035), also den positiven Wert des Koeffizienten.

 

Der Interaktionseffekt

Der Interaktionseffekt von Intelligenz und Motivation ist in diesem Beispiel mit einer Signifikanz von 0,621 ebenfalls nicht signifikant für die Abiturnote. Die Motivation verstärkt also weder den Einfluss der Intelligenz auf die Abiturnote, noch schwächt sie den Einfluss ab.

Angenommen der Interaktionseffekt also der Koeffizient „Intelligenz_Motivation“ wäre signifikant, dann würde der negative Koeffizient (-0,001) die negative Wirkung der X-Variable (Intelligenz) auf die Y-Variable (Abiturnote) noch weiter negativ verstärken. Dies könnte man grafisch ermitteln, wenn man eine einfache Regressionsgleichung mit der Konstanten und den Koeffizienten aus der Koeffiziententabelle aufstellt:

y = 7,156 – 0,035*Intelligenzquotient – 0,071*Motivation – 0,001*Intelligenz_Motivation. Dies kann man für verschiedene plausible Ausprägungen von X (Intelligenzquotient: 80, 100, 120, 140, 160) und M (Motivation: 2,4,6,8,10) durchführen und sich entsprechende Regressionsgeraden zeichnen lassen. Am einfachsten funktioniert dies in Excel und führt zu folgender Grafik:

Interaktionseffekt Grafik

 

Hier erkennt man recht deutlich, dass ein IQ von 120 mit einer Motivation von 10 auf den gleichen Abiturschnitt kommt wie ein IQ von 160 mit einer Motivation von 2, nämlich 1,0. Es ist erkennbar, dass mit zunehmender Motivation (Geraden befinden sich weiter links), ein geringerer IQ notwendig ist, um den gleichen Abiturschnitt zu erzielen. Gleichzeitig sinkt der Abiturschnitt mit steigender Motivation bei gleichbleibender Intelligenz stärker.

 

Tipp zum Schluss

Findest du die Tabellen von SPSS hässlich? Dann schau dir mal an, wie man mit wenigen Klicks die Tabellen in SPSS im APA-Standard ausgeben lassen kann.